Österreichische Staatsmeisterschaften: 4x Gold, 2x Silber, 2x Bronze & 3 Tiroler Rekorde
Gold für Lea Germey im Hochsprung
Der Hochsprung der Frauen entwickelte sich zu einem der emotionalsten Bewerbe der Meisterschaften. Vor einer lautstarken Tiroler Fankurve lieferten sich die Springerinnen einen packenden Wettkampf, der für große Freude und unvergessliche Bilder sorgte. Besonders Lea Gemey (SV Reutte Leichtathletik) zeigte vor Heimpublikum einmal mehr ihre Nervenstärke und wiederholte ihren Staatsmeistertitel aus dem Jahre 2024. Wie erwartet entwickelte sich ein äußerst knapper Wettkampf: Nach übersprungenen 1,68 m waren noch sechs Athletinnen mit im Bewerb. Nur Gemey und Ekaterina Krasovskiy (DSG Wien) meisterten folgend 1,71 m im dritten Versuch. Anschließend überquerte die Tirolerin als einzige noch 1,74 m und sicherte sich damit den Staatsmeistertitel.
„Ich bin heute mit wenig Erwartungen in den Wettkampf gegangen, weil es im Sommer bisher nicht so gut gelaufen ist. Aber meistens funktioniert es dann eh am Besten, weil man locker bleibt. Der Sieg vor der Familie und den Freunden ist natürlich ganz besonders schön.“ – Lea Germey

Leonhard Jäger verteidigt Kugelstoß-Titel und überrascht mit Diskus-Silber
Vor Heimpublikum wurde Leonhard Jäger (SV Reutte Leichtathletik) seiner Favoritenrolle im Kugelstoßen eindrucksvoll gerecht. Der U23-Athlet, der sich in dieser Saison nochmals deutlich steigern konnte, ging als klare Nummer eins der Meldeliste in den Wettkampf und ließ daran auch im Ring keine Zweifel aufkommen. Mit einer Weite von 18,35 m – der drittbesten seiner Karriere – verteidigte Jäger souverän seinen Staatsmeistertitel. Lediglich 24 Zentimeter fehlten ihm auf seine persönliche Bestleistung. Matthias Krach (ATSV OMV Auersthal – Athletics 22) belegte mit 16,30 m Rang zwei, Bronze ging an Heimo Kaspar (ATG) mit 14,19 m.
Doch damit war das erfolgreiche Wochenende für den Tiroler noch nicht beendet. Im Diskuswurf sorgte Jäger mit einer persönlichen Bestleistung (53,01 m) und TLV U23-Rekord für eine Überraschung und durfte sich neben Gold im Kugelstoßen auch über die Silbermedaille im Diskuswurf freuen.
„Ich habe heute vor dem Heimpublikum meine Nerven behalten, es ist schon etwas Besonderes vor so vielen Freunden zu gewinnen. Ein wenig schade ist es, dass ich keine PB aufgestellt habe, aber der Titel freut mich sehr.“ – Leonhard Jäger

Riccardo Klotz feiert fünften Stabhochsprung-Titel
Trotz schwieriger und windiger Bedingungen ließ Riccardo Klotz (ATSV Innsbruck) bei seinem Heimspiel keine Zweifel an seiner Favoritenrolle aufkommen. Der „Local Hero“ stieg erst bei 5,15 m in den Wettkampf ein, als seine stärksten Konkurrenten bereits ausgeschieden waren. Mika Voss (Sparkasse SG Götzis) sicherte sich mit persönlicher Bestleistung von 4,75 m die Silbermedaille, Oliver Latzelsberger (Union Pottenstein) wurde mit 4,65 m Dritter. Klotz meisterte anschließend noch 5,30 m und feierte damit souverän seinen bereits fünften Staatsmeistertitel im Stabhochsprung.

Zwei Sieger und ein Tiroler Rekord über 100 m
Das 100-Meter-Finale der Männer entwickelte sich zu einem der spannendsten Rennen des gesamten Meisterschaftswochenendes. Bei 2,1 m/s Gegenwind lieferten sich die Sprinter ein packendes Duell, das mit einer echten Seltenheit endete: Noel Waroschitz (IAC) und Titelverteidiger Lukas Pullnig (KLC) wurden in 10,55 s exakt zeitgleich gewertet – bis auf die Tausendstelsekunde. Damit durften sich beide über die Goldmedaille freuen.

„Es war ein schöner Wettkampf hier heute vor so viele Freunden laufen zu dürfen. Am Schönsten ist es, dass wir jetzt beide Gold haben. Das Warten war natürlich eine Achterbahnfahrt, ist man vorne oder nicht, das hat Nerven gekostet. Aber so ist es das beste Ergebnis überhaupt jetzt mit Lukas ganz oben stehen zu dürfen."– Noel Waroschitz

Bereits in den Vorläufen hatte es aus Tiroler Sicht Grund zum Jubeln gegeben. Emil Schwaninger (TS Innsbruck) verbesserte den Tiroler Rekord über 100 m auf 10,34 sund sorgte damit für ein weiteres Sprint-Highlight des Wochenendes. Im Finale musste sich der Lokalmatador zwar mit Rang fünf zufriedengeben, meldete sich jedoch am Sonntag eindrucksvoll zurück: Über 200 m sprintete Schwaninger in 21,80 s zur Bronzemedaille und rundete damit ein erfolgreiches Heim-Wochenende für die Tiroler Sprinter ab.

Stefan Huber mit neuem TLV-Rekord über 110 m Hürden
Noch vor dem eigentlichen 110 m Hürden-Finale setzte Stefan Huber (IAC) ein Ausrufezeichen. Im Einlagelauf nutzte der Tiroler die besseren Windbedingungen (+1,1 m/s) optimal aus und verbesserte seinen eigenen Tiroler Rekord über 110 m Hürden auf 14,28 s.

Im anschließenden Finale ging der Sieg erwartungsgemäß an Enzo Diessl (SU Leibnitz). Der U23-Europameister siegte in 13,53 s und sicherte sich souverän seinen dritten Staatsmeistertitel in Folge. Dahinter entwickelte sich ein spannender Kampf um die weiteren Medaillen, in dem Philipp Pichler (SU Leibnitz) die Silbermedaille vor Stefan Huber gewann.
Silber für Katrin Kammerlander im Stabhochsprung
Auch im Stabhochsprung der Frauen gab es aus Tiroler Sicht erfreuliche Leistungen. Katrin Kammerlander (ATSV Innsbruck) zeigte einen gelungenen Wettkampf und überquerte 3,70 m. Der Sieg ging an Lisa Gruber, die an diesem Tag als einzige Athletin die Vier-Meter-Marke meisterte.

Für ein weiteres Ausrufezeichen sorgte die erst 15-jährige Sophie Prigojeva (TU Raika Schwaz). Die Sport-BORG-Schülerin überzeugte mit starken 3,50 m und belegte damit den hervorragenden vierten Rang. Mit ihrer Leistung unterstrich sie einmal mehr ihr großes Potenzial, übersprang sie doch erst vor wenigen Tagen 3,61 m.
4x100 m TLV-Staffel verbessert 40 Jahre alten Tiroler Rekord
Im Rahmen der Österreichischen Staatsmeisterschaften ging eine eigens zusammengestellte TLV-Staffel mit einem klaren Ziel an den Start: den Tiroler Rekord über 4x100 m zu verbessern. Vier schnelle Athleten aus drei verschiedenen Tiroler Vereinen machten die Rekordjagd zur gemeinsamen Mission – und wurden dafür belohnt.
Das Quartett vereinte Sprinter und Techniker, wobei die optimale Staffelaufstellung bis kurz vor dem Rennen intensiv diskutiert wurde. Nach mehreren Varianten fiel die Entscheidung schließlich auf die Reihenfolge: Noel Waroschitz – Stefan Huber – Emil Schwaninger – Riccardo Klotz.
Ganz reibungslos verlief das Rennen nicht: Probleme bei der zweiten Übergabe konnte das Quartett zwar bremsen aber nicht stoppen. Schlussläufer Klotz brachte den Staffelstab sicher ins Ziel und fixierte mit 41,34 s den neuen Tiroler Rekord.
Damit unterbot die Staffel die bisherige Bestmarke von 41,50 s, die seit 1986 Bestand hatte und von Christian Mark, Gerhard Redl, Hermann Greimel und Siegfried Zwerschina aufgestellt worden war. Der Jubel im Ziel war entsprechend groß. Der neue Tiroler Rekord bildete den perfekten Schlusspunkt eines emotionalen und erfolgreichen Meisterschaftswochenendes.

Ein großer Dank gilt dem Organisationskomitee, den Kampfrichter:innen und den vielen Helfer:innen die diese Meisterschaft für die Athlet:innen zu einem großen Fest gemacht haben!
Fotos © ÖLV / @amri.sports
Foto: (c) Lukas Corazza
Ergebnisse
26/07/26 19:18, Text: Olivia Raffelsberger
zurück